Wortgottesfeier
am Sonntag, 13.09.2020,
10.15 h
(WGF-Leiter: Hiltrud Bollenbach (violett)
/ Klaus Völker (schwarz)/ Organist: Joachim Giesbert )
Thema: „ 24. Sonntag im Jahreskreis“
Für erlittenes
Unrecht Rache zu nehmen scheint ein menschliches Urbedürfnis zu sein und eine
Weise der Selbstbehauptung. Aber wo endet das Recht, wo beginnt das Unrecht? Im
Alten Testament hieß es: Eins zu eins, also: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Jesus
fordert völligen Verzicht auf Rache und darüber hinaus aufrichtiges Verzeihen.
Wer es ehrlich versucht, ist auf dem Weg zum wahren Menschsein.
Anm.: Der
Psalm 103 wird in seiner ganzen Länge vorgelesen (Singverbot in Räumen), da er
in sich so dicht ist und genau die Themenstellung erlittenes Unrecht – Rache
oder Vergebung trifft.
(Evt.
Hinweis auf Nicht-Mitsingen im Festsaal).
Eingangslied: “Ein Haus voll Glorie schauet weit
über alle Land” (GL 478 / 1. und 3.)
Begrüßung / Einleitung
Liebe
Gottesdienst-Teilnehmer des Stifts Sankt Martin,
wir
freuen uns, dass wir wieder gemeinsam hier im Festsaal / auf der Wiese feiern
können und begrüßen Sie herzlich!
Wir,
das sind Hiltrud Bollenbach und Klaus Völker, sowie unser langjähriger Organist
Joachim Giesbert.
Ein
menschliches Urbedürfnis scheint es zu sein, Rache zu nehmen, wenn jemand etwas
angetan wurde. So heißt es schon im Alten Testament: „Auge um Auge, Zahn um
Zahn!“
Aber
wo endet dieses Recht, wo fängt Unrecht an?
Jesus
lehrt uns im neuen Testament einen ganz anderen Weg: Völliger Verzicht auf
Rache – und aufrichtiges Verzeihen! Das fällt oft sehr schwer und kostet
erhebliche Überwindung der eigenen Emotionen. Wer es jedoch ehrlich versucht,
ist auf dem Weg zum wahren Menschsein!
Deshalb
bitten wir:
Kyrie:
·
Herr, gib Frieden denen, die auf dich hoffen! –
Herr, erhöre uns!
·
Erhöre das Gebet deiner Diener und deines Volkes!
– Christus, erhöre uns!
·
Führe uns auf den Weg des Friedens, des
Verzeihens und nicht auf den Weg der Vergeltung! – Herr, erhöre uns!
Ja Herr, unser
Gott, erhöre uns, lass uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben!
(Kreuzzeichen) - Amen.
Gloria:
Gloria in excelsis deo!
“Ehre sei
Gott in der Höh` ” (GL 726 / 1. U. 2.)
Tagesgebet:
Lasset
uns beten:
Gott, du
Schöpfer und Lenker aller Dinge, sieh gnädig auf uns.
Gib, dass wir dir mit ganzem Herzen dienen
und die Macht deiner Liebe an uns erfahren.
Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn und Erlöser. – Amen.
Lesung
aus dem Buch Jesus Sirach.
Groll
und Zorn, auch diese sind Gräuel
und ein sündiger Mann hält an ihnen fest.
Wer sich rächt, erfährt Rache vom Herrn;
seine Sünden behält er gewiss im Gedächtnis.
Vergib
deinem Nächsten das Unrecht,
dann werden dir, wenn du bittest, deine Sünden vergeben!
Ein Mensch verharrt gegen einen Menschen im Zorn,
beim Herrn aber sucht er Heilung?
Mit einem Menschen gleich ihm hat er kein Erbarmen,
aber wegen seiner Sünden bittet er um Verzeihung?
Er selbst – ein Wesen aus Fleisch, verharrt im Groll.
Wer wird seine Sünden vergeben?
Denk
an das Ende,
lass ab von der Feindschaft,
denk an Untergang und Tod
und bleib den Geboten treu!
Denk an die Gebote
und grolle dem Nächsten nicht,
denk an den Bund des Höchsten
und übersieh die Fehler!
Wort
des lebendigen Gottes! – Dank sei Gott
(aus dem
Psalm 103 / GL 653 / 3)
Ich lese aus
dem Psalm 103
Gnädig und
barmherzig ist der Herr,
voll Langmut und reich an Huld.
Preise
den Herrn, meine Seele,
und alles in mir seinen heiligen Namen!
Preise den Herrn, meine
Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!
Der dir all deine Schuld vergibt
und all deine Gebrechen heilt,
der dein Leben vor dem Untergang rettet
und dich mit Huld und Erbarmen krönt.
Er wird nicht
immer rechten
und nicht ewig trägt er nach.
Er handelt an uns nicht nach unsern Sünden
und vergilt uns nicht nach unsrer Schuld.
So weit der Aufgang entfernt ist vom Untergang,
so weit entfernt er von uns unsere Frevel.
Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt,
so erbarmt sich der Herr über
alle, die ihn fürchten.
Halleluja-Ruf: „Dies ist mein Gebot: Liebet
einander, wie ich euch geliebt!“ (GL 305, 4
/ 3 mal) –
Oder: Auswahl Organist
Evangelium:
Aus dem
heiligen Evangelium nach Matthäus.
In jener Zeit trat
Petrus zu Jesus und fragte: Herr, wie oft muss ich meinem Bruder vergeben,
wenn er gegen mich sündigt?
Bis zu siebenmal?
Jesus sagte zu ihm:
Ich sage dir nicht: Bis zu siebenmal,
sondern bis zu siebzigmal siebenmal.
Mit dem Himmelreich ist es deshalb wie mit einem König,
der beschloss, von seinen Knechten Rechenschaft zu verlangen.
Als er nun mit der Abrechnung begann,
brachte man einen zu ihm, der ihm zehntausend Talente schuldig war.
Weil er aber das Geld nicht zurückzahlen konnte, befahl der Herr,
ihn mit Frau und Kindern und allem, was er besaß, zu verkaufen und so die
Schuld zu begleichen.
Da fiel der Knecht vor ihm auf die Knie und bat: Hab Geduld mit mir!
Ich werde dir alles zurückzahlen.
Der Herr des Knechtes hatte Mitleid, ließ ihn gehen und schenkte ihm die
Schuld.
Als nun der Knecht hinausging, traf er einen
Mitknecht, der ihm hundert Denáre schuldig war.
Er packte ihn, würgte ihn und sagte: Bezahl, was du schuldig bist!
Da fiel der Mitknecht vor ihm nieder und flehte: Hab Geduld mit mir! Ich werde
es dir zurückzahlen.
Er aber wollte nicht, sondern ging weg und ließ ihn ins Gefängnis werfen, bis
er die Schuld bezahlt habe.
Als die Mitknechte das sahen, waren sie sehr betrübt; sie gingen zu ihrem Herrn
und berichteten ihm alles, was geschehen war.
Da ließ ihn sein Herr rufen und sagte zu ihm: Du elender Knecht!
Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich angefleht hast.
Hättest nicht auch du mit deinem Mitknecht Erbarmen haben müssen,
so wie ich mit dir Erbarmen hatte?
Und in seinem Zorn übergab ihn der Herr den Peinigern, bis er die ganze Schuld
bezahlt habe.
Ebenso wird mein himmlischer Vater euch behandeln, wenn nicht jeder seinem
Bruder von Herzen vergibt.
Evangelium
unseres Herrn Jesus Christus! – Lob sei dir, Christus!
Auslegung:
Jesus
verlangt, man solle dem Bruder, das heißt jedem Menschen, aufrichtig verzeihen
„von ganzem Herzen“.
Petrus will
es genau wissen und fragt nach einer Grenze; es gibt aber keine Grenze.
Wie oft
machen wir Fehler und sündigen? Der zweite Räuber neben Jesus am Kreuz bereut
erst in der Todesstunde seine Verbrechen – und Jesus sagt: „Noch heute wirst du
in meinem Reiche sein!“
Wir leben
jeden Tag davon, dass Gott uns verzeiht. Die empfangene Vergebung bedeutet jedoch
auch Verpflichtung und Verantwortung, so sehr, dass der barmherzige Gott den
zurückweist, der selbst nicht barmherzig sein will und seinem Bruder nicht verzeiht.
Glaubensbekenntnis:
Wir
beten gemeinsam das Glaubensbekenntnis (GL S. 36 Grundgebete 3 / 4)
Fürbitten:
Wir
wollen Fürbitte halten.
·
Guter Gott, Jesus fordert uns auf, dem Nächsten 70 mal sieben
mal zu vergeben. Schenke uns die Stärke, nicht nachtragend zu sein, meinem
Verwandten, meinem Nachbarn, meinem Nächsten zu verzeihen! – Wir bitten dich,
erhöre uns!
·
Guter Gott, auch wir kommen zu dir uns bekennen unsere Schuld,
wie wir im Vater unser beten und flehen um dein Erbarmen! – Wir bitten dich,
erhöre uns!
·
Guter Gott, wir bitten für alle, die ein verhärtetes Herz haben:
Schenke ihnen deine Huld und das Einsehen in ihre Fehler! – Wir bitten dich,
erhöre uns!
·
Guter Gott, wir bitten dich auch für die Kranken: Mache sie stark in ihrem Leiden und schenke
den Verstorbenen deinen ewigen Frieden! – Wir bitten dich, erhöre uns!
Ja, guter Gott, diese
Bitten und viele persönliche tragen wir dir vor. Und sie vereinen sich in dem
Gebet, das Jesus Christus uns selbst gelehrt hat:
Vater unser:
Lied: „Oh Jesu Christe, wahres Licht“ (GL
485 / 1. und 2.)
Friedensgruß:
In Zeiten
der Corona-Pandemie reichen wir uns nicht die Hände sondern ersetzen diese
Geste durch ein freundliches Winken, ein nettes Kopfnicken. Geben wir uns so
ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung:
Der Friede des Herrn sei allezeit mit uns!
Danksagung:
Ja,
liebe Seniorinnen und Senioren, wir sind wieder am Schluss unseres
Gottesdienstes angekommen und bedanken uns für Ihr Mitfeiern! Mögen uns die
Worte Jesu Mut machen in der nächsten Zeit, mögen sie dazu beitragen, dem
andern zu verzeihen! So begleite er uns jeden Zag und jede Stunde dieser Woche!
Martin Luther
King sagte einmal: Mögen wir begreifen, dass wir niemals wirklich Kinder
unseres himmlischen Vaters sein können, solange wir nicht unsere Feinde lieben
und für unsere Verfolger beten.
Wir
wünschen Ihnen noch einen schönen Sonntag!
Schlussgebet:
Lasset
uns beten:
Herr, unser
Gott, wir danken dir, dass du uns Anteil an diesem Gottesdienst
gegeben hast.
Lass nicht unser eigenes Streben Macht über uns gewinnen,
sondern gib, dass die Wirkung deiner Worte
unser Leben bestimmt.
Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen
Segensbitte/Segen:
Gott,
bleibe bei uns mit deinem Segen.
Erleuchte
uns, errette uns, erfülle uns.
Sei
über uns, sei neben uns, sei unter uns.
Das
gewähre uns der dreieinige Gott: Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist! –
Amen
Lasset
uns gehen in Frieden! – Dank sei Gott, dem Herrn!
Lied: „Wer unterm Schutz des Höchsten
steht“ (GL 423 / 1. – 3.)